KAY WALKOWIAK. SPECIFIC OBJECTHOOD
Zeller van Almsick, Vienna (AT)

29.11.2017 – 14.01.2018

Kay Walkowiaks Skulpturen und Videoarbeiten bedienen sich in der Kultur- und Geistesgeschichte hinterlegter Formensprachen und theoretischer Konzepte, welche sie auf subtile Weise dialogisieren wie konfrontieren, und darüber als kulturelle Konstruktionen offenlegen. Ausgangspunkt seiner aktuellen Ausstellung ist die Kunst der Minimal Art, an deren auf geometrischen Grundformen basierenden specific objects sich Walkowiaks Skulpturengruppe zu orientieren scheint. Auch ihr Titel unterstreicht diesen Konnex zur Minimal Art, enthält jedoch ebenso einen Verweis auf deren Kritik, die Michael Frieds in seinem grundlegenden Essay Art and Objecthood formulierte. Michael Fried monierte in diesem Essay die explizite Betonung der „Objekthaftigkeit“ in Kunstwerken der Minimal Art, welche diese nicht mehr über die Form zu negieren trachteten, sondern explizit in das Zentrum ihres integrativen Kunstbegriffes stellten und damit einen völlig neuen Modus der Erfahrung von Kunst initiierten. Weniger denn Spiegel des Ausdruckes der künstlerischen Idee, oder des Wesens von Kunst, definierten sich die specific objects primär über Eigenschaften außerhalb ihrer selbst. Sie wurden explizit als Teil einer „erweiterten Situation“ begriffen, die Skulptur, Umraum und Betrachtende miteinschloss und weniger denn die kontemplative Versenkung, die körperliche Teilnahme der Letzteren einforderte. Eben diesen Bezug des Kunstwerkes zum menschlichen Körper unterstreicht Walkowiak in seinem Interesse an der aus der Subjekt-Objekt-Beziehung resultierenden Erfahrung von Kunst, als dass er seine Skulpturen mit rohem Leinenstoff bezieht. Diese formale Entscheidung kann nicht nur als Kommentar auf die sich bewusst abseits der Gattungsgrenzen von Malerei und Skulptur positionierenden Objekte der Minimal Art gelesen werden. Vielmehr verleiht sie seinen Werken eine Haptik, die zu einem taktilen Blick verleitet, der in deren Betrachtung das eigene Körperempfinden aktiviert. [...]

Stephanie Damianitsch



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